Rückblick auf Lesungen und Veranstaltungsreihen

Themenauswahl

Miracle School in Lahore

mit Ulrike Kochan

Auf und neben der Oder”

Dr.  Lothar Prahl

Lesung

mit Dr. Käthe Seelig-Vogeler

Hilfseinsätze in Kenia

Zahnarzt Köster

Veranstaltungsreihe

”Menschen in Diktaturen”

Veranstaltugnsreihe

“Stell Dir vor es ist Krieg - und keiner geht hin???”

Ulrike Kochan, Bergholz-Rehbrücke berichtete am 19. Oktober 2006 in der Kita „Anne Frank“ über ihren zehnmonatigen Aufenthalt in Pakistan zum Aufbau eines Kindergartens und einer Schule für Bedürftige

Bei ihrem Aufenthalt lernte sie die

Miracle School in Lahore

 kennen und sammelt seit ihrer Rückkehr Geld für diese Schule.

Geplant ist die Gründung eines Vereins zur Hilfe und Unterstützung der Mitarbeiter dieser Privatinitiative

Die Miracle School ist eine christliche Schule in Lahore/ Pakistan für Waisen und hilflose Kinder, die oft durch Armut und Gewalt traumatisiert sind.

Rubina Ramzan hat diese Schule gemeinsam mit ihrer Familie vor etwa fünf Jahren gegründet. 250 Kinder aus ärmsten Verhältnissen erfahren hier Liebe, Fürsorge und bekommen die Möglichkeit, einen Schulabschluss zu machen. Dieser gibt ihnen Hoffnung und Perspektive für ihr Leben.

Außerdem hat Rubina Anfang des Jahres den Traum der 150 Kinder eines völlig verarmten und desillusionierten Ziegeleidorfes etwa 40 km außerhalb von Lahore – Joanabad – verwirklicht, und eine Schule gegründet. Hier sind die Lehrerinnen im Moment neben dem Unterricht vor allem auch damit beschäftigt, die Kinder zu waschen, ihnen Kleidung und Essen zu geben. Die nächsten dringenden Aufgaben dort sind

    - der Kauf eines Kleinbusses, der die Lehrer täglich nach Joanabad bringt,

    - der Erwerb eines Grundstückes im Dorf,

    - der Bau eines kleinen Schulhauses.

Durch den Verkauf von Stoffen aus Pakistan, den Erlös von dem Basar für die Miracle School und zahlreiche Spenden konnte ich insgesamt schon 4300,- Euro an Rubina überweisen.

Von einem kleinen Teil des Geldes war es möglich, den Kindern sowohl in der Schule in Lahore als auch in Joanabad eine wunderschöne Weihnachtsfeier zu bescheren.

Hier sind einige Fotos davon zu sehen.

Der Erlös vom Verkauf dieser Stoffe (abzgl. des Einkaufspreises in Pakistan) kommt vollständig den Kindern der beiden Schulen zugute.

Wer sich für das Projekt interessiert, wende sich bitte an: Ulrike Kochan, Anna-Seghers-Straße 8, 14558 Nuthetal. Telefon 033200/86 535

Das Weihanachtessen in der Schule in Lahore

Weihnachtsgeschenke für die Familien des Ziegeleidorfes Joanabad

“Auf und neben der Oder”

Eine polnisch-deutsche Gemeinschaftsfahrt in Kajaks von Wroclaw (Breslau) bis Szczecin (Stettin) über Glogow) (Glogau), Bytom, Nowa sol (Neusalz), Krosso (Krossen), Ratzdorf, Eisenhüttenstadt, Neuzelle, Schwedt, Criewen, Gartz, Mescherin

515 km - Natur - Kultur - Technik

freundschaftliche Beziehungen: Wieder aufgebaute Stadtkerne in Polen, Klosterkirche Neuzelle, Schleusen, Schiffshebewerk Niederfinow, Eisen-Hütte und -Walzwerk Nationalparkzentrum “Unteres Odertal” in Criewen.
 

Auf und neben der Oder”

Dr. Lothar Prahl berichtete über seine ausgedehnten Reisen mit dem Kajak. Lothar Prahl ist der Urvater unseres Kanuclubs Rehbrücke, der an der Königsbrücke seinen Sitz hat. Mit seinen über 70 Jahren unternimmt er immer noch Fahrten, vernehmlich in östliche Regionen.
 


Lesung mit Dr. Käthe Seelig-Vogeler
 Der Ortsverein Bergholz-Rehbrücke e.V. lud ein.

Die Autorin las am 07. Juni 2006 aus ihrem neu erschienen Buch
Ein Herz für Komödianten”

Mit großem Erfolg las Käthe Seelig-Vogeler schon mehrmals in Bergholz-Rehbrücke. Die Autorin, die im vorigen Jahr ihren 90. Geburtstag feiern konnte, hat jetzt schon ihr zweites Buch im Märkischen Verlag Wilhelmshorst herausgegeben.
Sie nennt es: “ Ein Herz für Komödianten und manch anderes auch”
Lebenslinien von Freunden und Bekannten aus ihrem langen Leben hat sie aufgezeichnet, dazu findet man in dem Buch auch eine große Anzahl ihrer schönen Gedichte über das Leben in all seinen Facetten. Wir erlebten einen angeregten Abend mit dieser bemerkenswerten Frau.


Durch den Ortsvereins Bergholz-Rehbrücke e.V,.

hat am 9. November 2006 um 19.30 Uhr

 Zahnarzt Raimar Köster
mit vielen Fotos seiner Frau Christel Köster
über seine beiden Hilfseinsätze in Kenia
 (Afrika) berichtet in der
Kita „Anne Frank“, Eichhörnchenweg 51
Bergholz-Rehbrücke

Veranstaltungsreihe ”Menschen in Diktaturen”

Angeregt wurden wir durch Alexander Richter, den ehemaligen Rehbrücker, den Sie durch  mehrere Artikel im ”Nuthe-Boten” kennen (Schulgeschichten, Charlotte Schock  u. a.), und der, selbst Opfer der DDR-Justiz, im vorigen Jahr ein Buch über die  1976 statt gefundene Selbstverbrennung des Pfarrers Oskar Brüsewitz geschrieben und herausgebracht hat. Er bot an, in Bergholz-Rehbrücke aus diesem Buch zu  lesen.

Wir  nahmen sein Angebot gern an und kamen zu dem Schluss, dass es sinnvoll wäre, aus dem Thema, wie sich Menschen in Diktaturen verhalten und wozu sie verleitet werden können, einen Themenkreis aus drei Veranstaltungen zu machen.

Unser Motto  für diese drei Veranstaltungen ist:

”Aus dem Geschehen wollen wir auf das schließen, was geschehen kann”.
(Rousseau, Der  Gesellschaftsvertrag)

Topsi Menzel formulierte: ”Deutschland war im zwanzigsten Jahrhundert erst durch die nationalsozialistische und anschließend durch die kommunistische Diktatur  gezeichnet. Trotz der schrecklichen Erfahrungen, die in dieser Zeit gemacht  wurden, haben Diktaturen für nicht wenige Menschen auch heute durchaus etwas Attraktives und Verführerisches. Sie versprechen Ordnung, Sicherheit, sozialen Ausgleich, wenig Verantwortung und damit auch wenig Risiko, Fehler zu machen.  Gerade in schwierigen und unsicheren Zeiten fühlen sich manche Menschen oft überfordert und die genannten Faktoren gewinnen zunehmend an Bedeutung. Auch das Land Brandenburg ist hiervon nicht frei.

Dass diese (vermeintliche) Sicherheit mit dem Verlust von Freiheit, eigener Identität und  dem Verfall der eigenen Kultur einhergeht, wird zum Teil verdrängt oder auch  bewusst in Kauf genommen. Wie wird Diktatur von Menschen im Alltag tatsächlich erfahren, wie reagieren sie? Wie werden Menschen von Diktaturen geprägt? Die Antworten auf diese Fragen und auf die Frage, wie sich eine Diktatur auf das  reale Leben tatsächlich auswirkt, sind für viele nicht wirklich greifbar”,

Wir  möchten über diese Themen mit Ihnen diskutieren und hoffen auch auf vor allem junge Besucher und Besucherinnen.

 

Unser erstes Thema,
 
am 04.10.2007 um 19.30 Uhr
in der Kita “Anne Frank” Eichhörnchenweg,
14558 Nuthetal OT Bergholz-Rehbrücke,


Die Bücherverbrennung 1933 unter dem Link alles weitere ...


kurz nach der  ”Machtergreifung” Hitlers, eine Schmach für das ”Volk der Dichter und Denker”  bei der aus der deutschen Studentenschaft heraus, die Werke der wichtigsten  deutschen, humanistischen Schriftsteller vernichtet wurden. Und in Berlin  schauten 70.000 Menschen zu! Auch in weiteren 21 deutschen Städten wurden  Bibliotheken geplündert und die unerwünschten Bücher mit völkischen Sprüchen den Flammen übergeben. Bald darauf wurden auch die Autoren verfolgt, vernichtet und in den Selbstmord getrieben.

Für  den Vortrag mit Filmdokumentationen haben wir Werner Treß, Lehrbeauftragter am  Historischen Institut Potsdam und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Moses  Mendelssohn Zentrum für europäisch-jüdische Studien in Potsdam.

 

Menschen in Diktaturen“ Teil II

Das Unfassbare / unter dem Link alles weitere ...

Lesung mit Alexander Richter

Am 25. 10. 2007, 19.30 Uhr in der Kita „Anne Frank“, Eichhörnchenweg 51/53, Nuthetal, OT Bergholz-Rehbrücke

Menschen in Diktaturen“ Teil III
Lesung aus Stasi-Akten Professor Helmut Haenel

Die Stasi als „Schutz und Schild der Partei“

IMs der ehemaligen Staatssicherheit der DDR und ihre Machenschaften

Dass die Stasi-Vergangenheit die Menschen noch immer nicht überwunden haben, zeigte die mit etwa einhundert Gästen überaus gut besuchte dritte Lesung unserer Veranstaltungsreihe „Menschen in Diktaturen“. Erika Haenel, Witwe von Prof. Dr. Helmut Haenel, der 1964 bis 1981 die Geschicke des Zentralinstituts für Ernährung Potsdam-Rehbrücke leitete, gab ganz private Einsicht in die Machenschaften der Staatssicherheit, wie einem wissenschaftlichen Leiter nicht nur die Forschungsarbeit seines Hauses erschwert wurde. Ein parteiloser Institutsleiter passte nicht in die Landschaft eines sozialistischen Staates.

Erika Haenel will etwas anderes erreichen, als kürzlich Pfarrer und Bürgerrechtler Friedrich Schorlemmer zum Ausdruck gebracht hatte. Seine Worte „Macht die Stasiakten zu, vergiftet euch damit nicht das Leben“, ist nicht ihre Intention, das Thema dürfe nicht begraben werden.

Über 1000 Seiten musste Helmut Haenel 1992 bei erster Akteneinsicht lesen, verfasst von 17 inoffiziellen Mitarbeitern, den IMs, vorwiegend aus dem eigenen Haus, die auf ihn angesetzt waren. Der Institutsdirektor im Ruhestand hinterfragte noch vor seinem Tod 1993 deren Motive, erhielt teils sachliche Antworten, teils erkannte er ihre Bemühung, keinen Schaden mit ihren Berichten anzurichten.

15 Kategorien von IMs habe es gegeben. Warum ließen sich ganz normale Mitmenschen als IMs zu Spitzeltätigkeiten missbrauchen. War es Erpressung, Überzeugung, erhofften sie sich Vorteile? War es Rache, Neid oder Geltungsbedürfnis? Die Motivation war vielgestaltig, mit Fantasie gespickte Berichte deshalb nicht selten aber umso brisanter, meint Erika Haenel. Solche Lügen hängen wie Pech am Menschen.

Die Frage danach, wie sich Menschen in einer Gesellschaft missbrauchen lassen, die das  Mittel der Bespitzelung nutzt, um ihre Macht zu erhalten, ist allgegenwärtig. Nach Jahren konnte  Erika Haenel über einige Abschnitte aus der Akte voller Dummheit und Banalität lachen. Das darf aber nicht von der ernsten Gefahr der Zeit ablenken.  „Mir ist heute klar,  dass die wissenschaftliche Arbeit meines Mannes und des Instituts überhaupt durch die ständige Konfrontation massiv behindert wurde. Als einziger Parteiloser unter den Direktoren der Akademieinstitute stand er immer unter Generalverdacht, feindliche Tätigkeit zu begehen.“ Aber selbst mit den Partnerinstituten in den sozialistischen Ländern durften die eigenen Forschungsergebnisse nur verschleiert ausgetauscht werden.

Ein Sachstandsbericht der Stasi von 1976 bescheinigt Prof. Haenel „.. dass H. zum Personenkreis gehört, der als potenzielle Zielgruppe des Gegners angesehen werden muss. Aus diesem Grunde wird vorgeschlagen, den Prof. H. in einer OPK-Sicherung (Operative Personenkontrolle) zu bearbeiten.“ Argwöhnisch wurde seine Reisetätigkeit in das „kapitalistische Wirtschaftsgebiet“ überwacht, Post kam im Institut zeitweilig nie zum  wirklichen Empfänger. Telefon- und Wohngebietsüberwachung gehörten dazu wie auch die „Aufklärung aus dem Intimbereich“.

Selbst wegen seiner Teilnahme an der Rundfunksendung „7-10 Sonntagmorgen in Spree-Athen“ 1969 zum Thema Ernährung machten sich die Parteioberen und die Staatssicherheit umfangreiche Sorgen um deren „politische Wirksamkeit“, obwohl Prof. Haenel gerade erst den Orden „Banner der Arbeit“ erhalten hatte. In der Auswertung wurde die Sendung als „unter dem Niveau der Akademie der Wissenschaften“ eingeschätzt. Jedoch erhielt der Sender 1200 Hörerzuschriften und selbst Anrufe aus der Leitung der betreffenden Akademie, die Genaueres zum Thema wissen wollten.

Die Stasi kam mit ihrem Ziel nicht voran und verlegte sich auf die „Herausarbeitung von Pflichtverletzungen“ in seiner Leitungsaufgabe und damit der Schaffung von Gründen für seine Absetzung als Leiter des Zentralinstitutes. Haenel kämpft gegen massive Reiseeinschränkungen der Mitarbeiter zu Kongressen, lehnt Losungen am Institut zum 1. Mai ab. Die Stasi wirft ihm „Stimmungsmache“ vor. 1966 wird einer Delegation die Reise zum Welternährungskongress nach Hamburg mit der Begründung verwehrt, sie stehe unter Schirmherrschaft von Bundespräsidenten Lübke. Haenels Spitzel berichten, er habe beklagt, dass der Sport vor der Wissenschaft rangiere. Er solle gesagt haben: „Am besten wäre, wenn das Institut eine Fußballmannschaft aufmacht, dann kann die nach Westdeutschland reisen, egal ob sie dort 20:0 verliert.“

Mit penetranter Gründlichkeit werden private Feiern überwacht. Aus den Akten: „...Vorbereitung und Einleitung von Maßnahmen zur inoffiziellen und offiziellen sowie operativ-organisatorischen Sicherung der 60. Geburtstagsfeier von Prof. H. ...“

1971 beklagt die Grundorganisation der Partei Haenels fehlenden Klassenstandpunkt. „Stattdessen neigt er zu diplomatischen Lösungen und zu Versöhnlertum. Ursache hierfür ist sein kleinbürgerliches Denken, obwohl er sich um sozialistisches Wissen bemüht.“

Resigniert steht im Situationsbericht der Stasi von 1978, nachdem weitere vier Jahre als Institutsleiter feststanden: „ .. Er wird weiter bestrebt sein, seine Stellung als Lebensmittel- und Ernährungsspezialist national und international zu halten und weiterhin versuchen, den „Ernährungsaußenminister“ zu spielen. ...“

Dr. Friedrich-Karl Grütte,  langjähriger Mitarbeiter und Freund von Prof. Haenel hatte sich kürzlich an Erika Haenel gewandt und mit ihr über seine Stasi-Akte gesprochen. Ein dunkler Punkt in seinem Leben behinderte sein Leben nachhaltig, berichtet er nun auch an diesem Abend. Er habe sich im Saal umgesehen. Es ist keiner seiner alten Überwacher da. Das wäre auch fehl am Platz gewesen.

Sein Fehler war es, 1953 politisch aktiv gewesen zu sein. „Ich bin praktisch geköpft worden“, sieht er die Folgen der Bespitzelung heute. Prof. Haenel hatte sich lange Zeit für Grüttes Professur eingesetzt. Eindeutig wurde ihm eines Tages klar gemacht, er solle dies unterlassen, „Grütte wird nie Professor“. „Man wurde mit Dreck beworfen und konnte sich nicht wehren“, beurteilt Grütte seine damalige Situation.

1990 wird Prof. Helmut Haenel nach der politischen Wende aus dem Ruhestand zurückgeholt. Er trägt einen entscheidenden Anteil daran, dass das Ernährungsinstitut der DDR trotz einigen Widerstandes nicht abgewickelt wurde. Am 1. Januar 1992 wurde das Deutsche Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke als Stiftung des öffentlichen Rechts neu gegründet.

Wie konnte diesem totalitären Staat diese massive Überwachung seiner Bürger gelingen, fragt sich Erika Haenel. Die Bespitzelung war getragen vom Misstrauen der Regierung gegen das Volk. Schon jeder Nichtwähler sei unter Generalverdacht feindlicher Tätigkeit gefallen.

Tiefgründig und unsinnig wurden die Bürger ausspioniert. Endlich sollen sich auch die Schulen mit der jüngeren Vergangenheit der eigenen Heimat beschäftigen, begrüßt sie indes die neuesten Entscheidungen zur Schulpolitik und ruft auf, das Wahlrecht verstärkt wieder wahrzunehmen.

Im Vorfeld der Veranstaltung sind im Rahmen des Beratungsangebotes von Mitarbeitern der BStU, Außenstelle Potsdam, mehrere Anträge von Bürgern auf Akteneinsicht entgegengenommen worden. Das Informationsinteresse ist weiterhin sehr groß.   

Ute Kaupke